Glocken der Stadtkirche

 

Quelle: Ev. Kirchengemeinde Schopfheim

„Die Geschichte der Glocken der Stadtkirche spiegelt ein „Deutsches Schicksal“ wider – zwei Weltkriege: im ersten Weltkrieg wurden alle vier Glocken konfisziert, im Zweiten ließ man der Gemeinde zumindest die kleinste Glocke “Frieden“. Heute ertönt die 3. Generation Glocken mit der verbliebenen Glocke Frieden.“ (aus Jahrbuch 92 der Stadt Schopheim, Bettina und László Bethlen)

Die erste Generation
Im Februar 1891 wurde ein Vertrag mit dem Glockengießer Christian Bachert in Dallau über die Lieferung von vier Bronzeglocken im Gesamtgewicht von 3250 kg, in den Tonlagen des/e/ges/h geschlossen. Die Glocken sollten die Namen Friedrich, Luise, Hebel, Wiese tragen und wurden am 3. Oktober vom Bahnhof zur neuen Kirche gebracht. 1898 wurden zwei Glocken ausgetauscht, die Glocke Hebel war gesprungen und Wiese wurde durch eine Glocke mit dem Ton a ersetzt. Am 25. Juni 1917 wurden die Glocken durch den Reichsmilitärfiskus beschlagnahmt.

Die zweite Generation
1920 lieferte die Fa. Ulrich in Apolda die zweite Glockengeneration mit Namen: Glaube, Liebe, Heimat, Frieden. In den Tönen c/es/g/as.  Die 3. Glocke wurde 1924 durch eine mit dem Ton ges ersetzt. 1940, während des 2. Weltkrieges, wurden drei Glocken beschlagnahmt.

Die dritte Generation
1952 wurde die 3. Glockengeneration bei der Glockengießerei Bachert bestellt. Ihre  Namen lauteten: Glaube, Liebe, Hoffnung.
Sie haben die Töne es/f/b und wurden zusammen mit der verbleibenden Glocke „Frieden“ vereinigt. Am 1./2. November wurden sie zum 60jährigen Jubiläum eingeweiht und feiern also in diesem Jahr ihr 65jähriges Jubiläum.
Einige von Ihnen können sich noch gut an Glockenweihe erinnern, und haben von Glockenbazaren erzählt um die Kosten der Glocken finanziell mitzutragen. Seither ertönen die Glocken zu Gebetszeiten und zu Gottesdiensten.
So funktioniert die Technik
Uschi Schmitthenner

 

Hört ihr nicht die Glocken !

Glocken sollen die Gemeinde zum Gottesdienst rufen, zum Gebet einladen und auf den Stationen des Lebens begleiten. Der Stundenschlag der Glocke soll daran erinnern, dass unsere Zeit in Gottes Händen steht.“ Mit diesen Sätzen beginnen die Richtlinien für den Gebrauch von Glocken in unserer Landeskirche.
Immer wieder kommen Anfragen, was für einen Grund es hat, dass die Glocken der Stadtkirche zu unterschiedlichen Zeiten läuten.  Dies möchten wir zum Anlass nehmen, ihnen allen die Bedeutungen, die hinter den verschiedenen Läutezeiten stehen, zu erklären.
Grundsätzlich lassen sich 3 Gründe für das Läuten der Glocken unterscheiden:
Ruf zum Gebet
7 Uhr  Der Ruf zum Morgengebet:  Biblisch soll an Jesus erinnert werden. Jesus, der  das aufgehende Licht aus der Höhe ist und uns allen erscheint, die wir in der Dunkelheit sitzen. Er ist es, der unseren Fuß auf den Weg des Friedens leiten soll. (Lukas 1,78+79) Ihm sollen wir uns anvertrauen und um Hilfe für den kommenden Tag bitten.
12 Uhr Friedensläuten, eingeführt nach dem Fall Konstantinopels im Jahr 1453 als Aufruf zum Gebet um Frieden.
18 Uhr Ruf zum Abendgebet: Thematisch ist das Abendgebet der Dank für einen gelungenen Tag. In Psalm 118 heißt es: Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.
 
Sonntägliches Läuten
Die Sonn- und Festtage werden in der Stadtkirche am Vorabend um 18 Uhr mit allen Glocken angekündigt. Eine Stunde vor Gottesdienstbeginn ertönt die Betglocke – eine halbe Stunde später die Sonntagsglocke und zu Beginn des Gottesdienstes heißt es dann wieder: volles Geläut. Auch während des Gottesdienstes bleiben die Glocken nicht still, betet die Gemeinde im Gottesdienst das Vaterunser, wird die Betglocke geläutet, damit die Daheimgebliebenen mit der Gemeinde mitbeten können.
Stundenläuten
Als es noch kein Radio und Smartphone gab, orientierte man sich ohnehin noch mehr an den Glocken, denn diese waren weithin zu hören:  Zum Beispiel bei der Arbeit auf dem Feld. Ab dem 12. Jahrhundert warnten die Glocken vor Hochwasser und Feuer, das sogenannte Wetterläuten. So wurden damals auch drohende Unwetter angekündigt. 
Uschi Schmitthenner