Die Alte Pfarrkirche St. Michael in Schopfheim dient heute als Sommerkirche der evangelischen St. Michaelsgemeinde in Schopfheim. Sie wird auch genutzt für ökumenische Gottesdienste, für Mittagsgebete, Konzerte und Festveranstaltungen. Als vielbesuchtes Denkmal ist die Kirche ganztags zugänglich.
Der Mittelpunkt:
Altar, Lesepult, Osterkerze und das im Triumphbogen hängende Kreuz bestehen aus anthrazitfarbenem Stahl, sie haben einen warmen, tiefen Farbton, der vorsichtig mit den vorhandenen Wandmalereien harmoniert. Diese „Prinzipalstücke“ ziehen den Blick auf sich, sie geben dem Gotteshaus Ausrichtung und einen Schwerpunkt. Das Ensemble wurde von Nikolaus Kernbach aus Aulendorf geschaffen und am Pfingstfest 2012eingeweiht.
Ein lichtes Inneres:
Hell gestrichene Wände und hohe farblose Fenster im Langhaus sowie rechteckige hohe Fenster in Nord- und Südkapelle vor dem Chor geben dem Inneren des Gotteshauses Höhe und Leuchtkraft. Ein harmonisches Netzgewölbe, dessen Parallelrippen rotbraun gestrichen sind, verbindet die Wände des Kirchenschiffs. Ein kleinerer Schlussstein vor dem Chor enthält das Wappen eines irdischen Kirchenpatrons, des Markgrafen Rudolfs IV. von Rötteln-Sausenberg, gleichzeitig Grafen von Neuenburg (1441 – 1487). Der große Schlussstein zeigt den Erzengel Michael, den himmlischen Kirchenpatron. Das Kircheninnere entspricht heute wieder der Grundform, die es bis etwa 1480 unter Markgraf Rudolf IV. erhalten hatte.
Das Alter:
Archäologen halten sogenannte „Stein-kistengräber“, die im Kirchenboden gefunden wurden und die einen Mittelgang frei ließen, für Anzeichen einer Holzkirche aus dem 7. Jahrhundert. Wahrscheinlich stand hier zunächst eine hölzerne Kapelle mit Grablege für die Besitzer eines großen Hofes, die früh Christen geworden waren. Im 8. Jahrhundert folgte dann eine steinerne Saalkirche, die bald eine Erweiterung im Westen und eine Apsis erhielt. Dieses Gotteshaus diente schon als Pfarrkirche für eine weite Umgebung. Um 1200 ersetzte man die Apsis mit einem rechteckigen Chor, über dem ab ca. 1300 in mehreren Schritten der Turm gebaut wurde. Erweiterungen des Innenraumes (um 1350) und das Netzgewölbe (ca. 1480) vermittelten dem Gotteshaus ungefähr seine heutige Gestalt. St. Michael hat also eine Bauentwicklung von über 1300 Jahren erlebt.
Glanzpunkte:
Zu den Schätzen der Kirche gehören vor allem die Wandmalereien: Szenen aus dem Leben Jesu im Chor (um 1300), neben dem Ostfenster im Chor große Darstellungen des Erzengels Michael und Marias mit dem Kind (um 1470), in der Nordkapelle mehrere Heiligenbilder und eine Kreuzigung (um 1440 – um 1470). Bemerkenswert: rechts des Triumphbogens eine steinerne farbige Konsole mit Mondsichel und weiblichem Gesicht, sie trugen einst eine verschwundene Madonnenfigur. Wertvoll ist auch die Orgel von Georg Markus Stein auf der Empore im Westen (1768). Eine kleine Orgel von Joseph Merklin (1830) steht jetzt in der Südkapelle.
Die äußere Gestalt:
Das rechteckige Kirchenschiff reicht von der torlosen Westseite rund 29 Meter bis zum Chor. Die weißen Nord- und Südwände werden von je einem Tor (1479) und je drei hohen Fenstern gegliedert. Vor dem Chor scheinen sich Nord- und Südkapelle an das Langhaus anzulehnen. Beide haben je einen heute verschlossenen Eingang. Mit Dach ist das Langhaus 17,5 Meter hoch, der Chorturm erreicht 33 Meter. – Trotz gotischer Fenster eine eher romanisch wirkende Kirche!
Gefahren:
Die seit Jahrzehnten freigelegten Wandbilder leiden und müssen gesichert werden. Es gibt sogar breite Risse und Wasserschäden. Die Stabilität der Rosette und des Maßwerks in der Westwand könnte künftig Schwierigkeiten bereiten. Unbeachtet und vernachlässigt liegt eine frühere Altarplatte im Eingangsbereich.
Als alt-ehrwürdiges und bedeutendes großes Denkmal verdient St. Michael die nötigen Sicherungsarbeiten und eine weitere Gestaltung.
(Klaus Schubring)










