Bildungsverständnis

 

Bildung ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Der Mensch strebt danach, die Dinge um sich herum und die Welt zu verstehen. Er will sie sich erschließen und sich selbst weiterentwickeln. Dies gilt vor allem für Bereiche, die ihm wichtig sind und in denen er an Erfahrungen anknüpfen kann. 

Kinder lernen mit Kopf, Herz und Hand durch das Spiel. Das Spiel ist die Arbeit des Kindes, für das wir ihm ausreichend Zeit zur Verfügung stellen. Im symbolhaften Spiel verarbeitet das Kind seine Eindrücke, ahmt nach, übt verschiedene Handlungsweisen und schlüpft in Rollen. Das freie Spiel bietet dem Kind die Möglichkeit, Erfahrungen zu machen, die es in echt z.T. noch nicht machen darf, wie z.B. Auto fahren. 

Wir als Erzieherinnen sehen es als unsere Aufgabe, für eine altersgemäße, phantasieanregende Materialauswahl zu sorgen. Wir schaffen Ordnung, damit das Kind nicht von Eindrücken überhäuft wird. Unsere Räume sind so gestaltet, dass sie den Bedürfnissen des kindlichen Spiels Rechnung tragen. Dabei ist  uns wichtig, den Kindern eine überschaubare Auswahl an Material zur Verfügung zu stellen.  

Kinder wollen sich ausdrücken, dazu nutzen sie verschiedene Ausdrucksformen, z.B. malen, sprechen und singen. Dies geschieht in unterschiedlichen Sozialformen. Die Gruppe der anderen Kinder spielt im Bildungsprozess eine wichtige Rolle. Genau wie uns Erwachsenen eine Vorbildfunktion zusteht, lernen die Kinder von anderen Mitgliedern der Gruppe.  

Bildung ist Selbstbildung. Das Kind bestimmt was es lernen möchte. Es sucht sich Themen oder Bereiche heraus, die jetzt gerade dran sind. Bei unserem jährlichen Jahresprojekt erschließen wir uns ein Thema immer ganzheitlich. Grundlage dazu ist der Situationsorientierte Ansatz. Was Kinder erlebt haben, mit ihren Sinnen gespürt haben, bleibt ihnen als Erinnerung und Erfahrung und stärkt sie in ihrer Entwicklung. 

Der Orientierungsplan ist Grundlage unserer Arbeit für die individuelle Förderung der Kinder entsprechend ihrer Begabungen und Interessen. 

Im Folgenden zählen wir hier die Ziele für die Bildungs- und Entwicklungsfelder nach dem Orientierungsplan Baden-Württemberg Fassung: 15. März 2011 auf. Die allgemeinen Zielsetzungen des Evangelischen Kindergarten Eichen, die ganzheitliche Entwicklung des Kindes mit Kopf, Herz und Hand“ zu fördern, findet sich auch in den Zielen des Orientierungsplanes für baden-württembergische Kindergärten, die gemäß §  9 Abs. 2 Kindertagesbetreuungsgesetz Baden-Württemberg umgesetzt werden müssen.

 

„Mit Kopf, Herz und Hand“  

 

I N D I V I D U E L L E     E B E N E 

  

Kopf (Sprache und Denken)  

Sprache  

Kinder 

  • erleben Interesse und Freude an der Kommunikation, erweitern und verbessern ihre nonverbalen und verbalen Ausdruckfähigkeiten 
  • verfügen über vielfältige Möglichkeiten mit anderen zu kommunizieren und sich auszutauschen
  • erzählen Geschichten mit Anfang, Mitte und Schluss
  • erweitern in der Verknüpfung von Sprache mit Musik, rhythmischem Sprechen und Bewegung ihre Sprachkompetenzen 
  • nutzen Sprache, um an der Gemeinschaft teilzuhaben und das Zusammenleben mit anderen zu gestalten 
  • mit einer anderen Herkunftssprache erwerben Deutsch als weitere Sprache 
  • erfahren unterschiedliche Sprachen als Bereicherung der Kommunikation und Kultur 
  • lernen Schrift als Teil ihrer alltäglichen Lebenswelt kennen und beginnen sie einzusetzen

 

Denken  

Kinder 

  • staunen über Alltags- und Naturphänomene und werden sprachlich begleitet und bestärkt 
  • sammeln verschiedene Dinge, wie Steine, Joghurtbecher, Blätter und Kastanien und andere Baumfrüchte 
  • haben Freude daran, zusammen mit anderen über Dinge nachzudenken 
  • beobachten ihre Umgebung genau, stellen Vermutungen auf und überprüfen  diese mit verschiedenen Strategien 
  • systematisieren und dokumentieren ihre Beobachtungen 
  • erkennen Muster, Regeln, Symbole und Zusammenhänge, um die Welt zu erfassen 
  • entwickeln Mengenvorstellungen und erkennen Ziffern 
  • erstellen Pläne (z.B. Tagesplan, Plan eines Festes, Bauplan, Wegskizze, Spielplan). 
  • stellen sich und ihrer Umwelt Fragen, auch philosophischer und religiöser Natur, und suchen nach Antworten
  • experimentieren und verfolgen eigene mathematische und naturwissenschaftliche Vorstellungen 
  • experimentieren und verfolgen eigene Ideen im sprachlichen, künstlerischen und sozialen Bereich 
  • konstruieren und entwickeln eigene technische Ideen 
  • reflektieren Regelmäßigkeiten und Zusammenhänge
  • geben ihren Gedanken, Vorstellungen, Träumen und Wünschen einen ästhetischkünstlerischen Ausdruck 

  

Herz   

Gefühl und Mitgefühl 

  • Kinder erkennen Körperhaltung, Mimik und Gestik als Ausdruck von Gefühlen und wissen, dass auch ihre Gefühle dadurch Ausdruck finden 
  • lernen sich selbst, ihre Gefühle und die anderer wert zu schätzen und entwickeln zunehmend ein Bewusstsein für die eigenen Emotionen 
  • eignen sich Einfühlungsvermögen und Mitgefühl an und agieren bzw. reagieren angemessen 
  • entwickeln einen angemessenen, sozial verträglichen Umgang mit den eigenen Emotionen 
  • finden entwicklungsentsprechende Konfliktlösungen 
  • entwickelt angemessene Nähe und Distanz im Umgang mit anderen 
  • entwickeln Einfühlungsvermögen und Mitgefühl gegenüber Tieren und der Natur 

 

Hand (Körper und Sinne)  

Körper

Kinder  

  • erwerben grundlegende Bewegungsformen und erweitern ihren Handlungs- und Erfahrungsraum,• erwerben Wissen über ihren Körper, 
  •  entwickeln ein Gespür für die eigenen körperlichen Fähigkeiten und Grenzen sowie der anderen und lernen, diese anzunehmen, 
  • entwickeln ein erstes Verständnis für die Pflege, Regulierung und Gesunderhaltung ihres Körpers, 
  • entfalten ein positives Körper- und Selbstkonzept als Grundlage für die gesamte Entwicklung, 
  • entdecken ihre Sexualität und die Geschlechterunterschiede und erleben Behutsamkeit, Respekt und Gleichwertigkeit im sozialen Miteinander von Jungen und Mädchen 
  • erfahren den genussvollen Umgang mit gesunder Ernährung 
  • bauen ihre konditionellen und koordinativen Fertigkeiten und Fähigkeiten aus. 
  • erweitern und verfeinern ihre grobmotorischen Fertigkeiten und Fähigkeiten. 
  • differenzieren ihre fein- und graphomotorischen Fertigkeiten und Fähigkeiten aus und erweitern sie. 
  • finden auch unter erschwerten Bedingungen eigene Wege in der motorischen Entwicklung und lernen Hilfestellungen und andere kompensatorische Mittel zu nutzen 
  • erfahren ihren Körper als Darstellungs- und Ausdrucksmittel für Kommunikation, Kunst, Musik und Tanz, darstellendes Spiel und Theater 

 

Sinne 

Kinder 

  • entwickeln, schärfen und schulen ihre Sinne 
  • erlangen durch die differenzierte Entwicklung, Nutzung und Integration ihrer Sinne Orientierungs-, Gestaltungs- und Ausdrucksfähigkeit und lernen achtsam zu sein • erfahren die Bedeutung und die Leistungen der Sinne 
  • Erfahren über die Sinneswahrnehmung Identität, Selbstvertrauen, Weltwissen und soziale Kompetenzen und erleben ihre Sinne als Grundlage für Aktivität und Teilhabe 
  • nutzen alle Sinne, um  ihren Alltag selbstwirksam  zu gestalten, sich ihre materiale und personale Umwelt anzueignen, sich in ihr zu orientieren und soziale Bindungen zu erleben und zu gestalten 
  • können ihre Aufmerksamkeit gezielt ausrichten und sich vor Reizüberflutungen schützen 
  • nehmen Bilder und Klänge aus Alltag, Musik, Kunst und Medien sowie Eindrücke aus der Natur bewusst wahr und setzen sich damit auseinander 
  • entwickeln vielfältige Möglichkeiten, Eindrücke und Vorstellungen ästhetisch-künstlerisch zum Ausdruck zu bringen 

 

  

  

S O Z I A L E   E B E N E 

 

Sinn, Werte und Religion 

Kinder 

  • entwickeln Vertrauen in das Leben auf der Basis lebensbejahender religiöser bzw.
  • weltanschaulicher Grundüberzeugungen und werden in der Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft gestärkt 
  • kennen unterschiedliche Zugänge zum Leben (religiös-weltanschaulich, technischnaturwissenschaftlich, künstlerisch u.a.) und vielfältige religiöse und weltanschauliche Orientierungen 
  • kennen und verstehen die christliche Prägung unserer Kultur 
  • kennen die Wirkung sakraler Räume, Rituale und Symbole, die die Erfahrung von Geborgenheit, Gemeinschaft, Stille, Konzentration ermöglichen 
  • können in ihrem Philosophieren und/ oder Theologisieren über das Leben und die Welt verständnisvolle Partner finden 
  • erleben unterschiedliche Weisen, nach Sinn zu fragen und Werte zu leben und kommunizieren darüber 
  • kennen ihre religiösen bzw. weltanschaulichen Wurzeln 
  • bringen sich zusammen mit anderen in die nachhaltige Gestaltung ihres sozialen und ökologischen Umfeldes ein 
  • tragen zu einem gelingenden Zusammenleben in der Gruppe bei 
  • sind in der Kindertageseinrichtung angenommen und geborgen – auch mit ihren religiösen bzw. weltanschaulichen Prägungen, Haltungen und Meinungen